Lange schon ist sie angekündigt, die schöne, neue, elektrische Autozukunft. Und tatsächlich: Ab Dezember soll der erste Mitsubishi-Stromer zu haben sein. Das bestätigt Philipp Neri, Marketingchef von Mitsubishi Schweiz. Der iMiev, wie das japanische Elektro-Ei heisst, macht den Anfang, und bereits im Februar rollt der mit dem Mitsubishi baugleiche Peugeot iOn zu den Händlern.

Neben Peugeot und Mitsubishi stehen weitere Anbieter wie zum Beispiel Opel, Renault oder Byd in den Startlöchern, um im Verlauf des nächsten Jahres umweltbewusste Autofahrer mit Elektroautos zu beglücken. So unterschiedlich diese Fahrzeuge aussehen werden, haben sie doch alle eines gemeinsam: Sie sollen ökologisch sein – und sie sind teuer. So kosten sowohl iMiev als auch iOn rund 46'000 Franken. Dafür bekommt man drei herkömmlich angetriebene Autos dieser Grösse – denn es handelt sich um Fahrzeuge aus dem Kleinwagensegment.

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Bewährte Autos mit Strommotor

Genau in diesem Segment sieht Manuel Reich in nächster Zukunft die Chance dieser Autos. Reich ist Marketing- und Verkaufsleiter der Firma Kamoo, eines Schweizer Herstellers von Elektrofahrzeugen. Die Kamoo Elektra haben gegenüber all den Neuankündigungen einen grossen Vorteil: Sie sind sofort lieferbar und basieren auf herkömmlichen und bewährten Fahrzeugen wie dem Renault Twingo, dem Fiat 500 oder dem Fiat Panda. «Das verschafft uns einen Vorteil.» Davon ist Reich überzeugt, obwohl er auch weiss: «Wenn die grossen Marken ins Geschäft mit Elektroautos einsteigen, wird sich der Markt nochmals stark verändern.»

Die innovative Firma aus Schlieren ZH erhält praktisch keine Unterstützung von Autoherstellern oder vom Staat. Und trotzdem sind die Kamoo-Modelle konkurrenzfähig. Denn ihre Batterien – obwohl technisch nicht von der neusten Generation – erlauben ähnliche Reichweiten wie die angekündigten Modelle grosser Hersteller.

Marktstudien sagen den Stromern eine goldene Zukunft voraus. Bereits in zehn Jahren soll die Hälfte aller Neuwagen einen Elektroantrieb besitzen, entweder als alleinigen Motor oder als Unterstützung wie bei den Hybridautos. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, denn heute sind in der Schweiz gerade mal 600 strombetriebene Fahrzeuge unterwegs. Immerhin: Nach langen Jahren der Stagnation, in denen jährlich nur zwischen 20 und 30 Elektromobile neu hinzukamen, wurden 2009 72 batteriebetriebene Personenwagen eingelöst.

Im Vergleich zu konventionell angetriebenen Autos ist das zwar immer noch der Tropfen auf den heissen Stein: Um 72 Fahrzeuge herkömmlicher Bauart neu zu immatrikulieren, brauchen hiesige Autofahrer im Schnitt nicht einmal eine Stunde. 2010 dürfte der Elektrozuwachs aber grösser sein, bekamen doch laut Auto-Schweiz, der Vereinigung der Autoimporteure, im ersten Halbjahr allein 41 Strom-Sportwagen der Marke Tesla eine Nummer verpasst.

Elektrofirma fährt CO2-neutral

Dass Elektroautos praxistauglich sind, beweist Heinrich Holinger. Der Geschäftsführer der Holinger Solar in Bubendorf BL setzt seit vielen Jahren privat wie auch bei Service- und Montagefahrzeugen auf Elektroantrieb. Derzeit hat er fünf Renault Kangoo Electric im Einsatz, für je 15'000 bis 22'000 Franken aus Frankreich importiert. «Ich setze sie für den Arbeitsweg, Kundenbesuche und Lieferungen ein», sagt der Unternehmer. Mit einer Reichweite von 60 bis 80 Kilometern sind sie dazu geeignet.

Holinger will zudem völlig CO2-neutral fahren. Deshalb installierte er eine eigene Solartankstelle mit gut 300 Quadratmetern Kollektoren. «Die Fahrzeuge brauchen rund 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer, was etwa zwei Litern Benzin entspricht», schwärmt Holinger, der bereits Anfang der neunziger Jahre an der Tour de Sol, einem Rennen für Solarfahrzeuge, teilnahm. «Und dieser Strom wird zu 100 Prozent von der Sonne geliefert.»

Der Elektroinstallateur weiss, für wen sich Elektrofahrzeuge eignen: «Als Pendlerfahrzeuge sind sie ideal, weil umweltfreundlich und viel sparsamer.» Auch Handwerker könnten seiner Meinung nach einen beachtlichen Teil ihrer Mobilität damit abdecken. Ähnlich sieht das Wilfried Blum, Präsident des Elektromobil-Clubs der Schweiz (ECS). Er fährt seit Jahren einen Citroën Saxo Electric. Blum sieht eine grosse Chance für Elektrofahrzeuge vor allem dort, wo regelmässig eine planbare, nicht allzu lange Strecke befahren werde. «Dabei denke ich etwa an Zweitfahrzeuge, die sehr häufig nicht für lange Strecken eingesetzt werden, aber auch an Auslieferdienste.» Die Vorteile von Elektrofahrzeugen – Emissionsfreiheit, kein Lärm, automatisches Abstellen des Motors beim Stillstand und Energierückgewinnung beim Bremsen – kämen vor allem in Ballungszentren mit Stop-and-go-Verkehr zur Geltung.

Probleme bei hoher Nutzlast

Dennoch sind Elektroautos nicht für jeden geeignet. «Für Aussendienstler mit grossen Kilometerleistungen wird es schwierig», meint Heinrich Holinger. Ebenso skeptisch ist er, wenn hohe Nutzlasten gefragt sind oder ein Anhänger gezogen werden soll.

Es gibt noch weitere Einschränkungen: Zwar können die Autos an jeder Steckdose mit einer Sicherung von mindestens zehn Ampere angeschlossen werden. Dennoch sind Anpassungen nötig. «Die normalerweise in den Haushalten installierten T13-Steckdosen müssen durch ein CE-Modell ersetzt werden», sagt Elektriker Holinger. Zwar seien auch T13er für zehn Ampere ausgelegt, doch bei einer Dauerbelastung – wie dem Laden eines Elektrofahrzeugs – bestehe die Gefahr, dass Kabel oder Buchse durchbrennen. Der Austausch kostet rund 100 Franken.

Besser ist eine mit mindestens 16 Ampere abgesicherte Steckdose. Das ermöglicht Ladezeiten von wenigen Stunden. Mit der Haushaltssteckdose kann es einen halben Tag dauern, bis die Batterien voll sind.

Praktische Probleme beim Laden können Mieter haben. Denn laut Thomas Oberle, Rechtsberater beim Hauseigentümerverband, haben diese keinen Anspruch auf eine Steckdose in der Tiefgarage. Und es gibt an den wenigsten Orten eine hoch abgesicherte Lademöglichkeit. «Zusätzlich hat ein Mieter kein Recht, sein Auto über den Allgemeinstrom zu laden.»

Dass es anders geht, beweist ECS-Präsident Wilfried Blum. Er fand eine Lösung – und einen kulanten Vermieter: «Der Strom wird durch einen Zähler erfasst, ich zahle jährlich einen Betrag.» Falls Elektroautos jedoch boomen, werden Vermieter ihre Park- und Garagenplätze wohl mit Steckdosen, die über den Wohnungszähler abgerechnet werden, ausrüsten. «Diese Investition kann auf den Mietzins überwälzt werden», betont Oberle, beruhigt aber: «Das macht nur wenige Franken pro Monat aus.» Elektroautos bleiben im Unterhalt trotzdem konkurrenzlos günstig.