Autos mit alternativem Antrieb sind im Trend. Das legt zumindest die Autowerbung nahe – in Zeitungen und Zeitschriften fahren seitenweise die neusten Hybrid-, Gas-, Biotreibstoffmodelle oder Elektro-Prototypen vor. Doch so faszinierend die technischen Neuerungen sind: Die Öko-Modelle der Autokonzerne sind ein Nischenprodukt geblieben. Das belegt die neuste Statistik von Auto-Schweiz, der Vereinigung der Auto-Importeure. Die mit viel Pomp lancierten Hybrid-, Gas- oder Elektroautos kommen auf einen Marktanteil von lediglich zwei Prozent. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Von den 175'772 verkauften Autos (Januar bis August 2009) sind bloss 3473 mit einem alternativen Antrieb ausgestattet. Rund die Hälfte davon gehen auf das Konto der beiden Hybride Toyota Prius und Honda Insight (Hybridauto: siehe nachfolgende Grafik). Den Rest teilen sich Fahrzeuge mit Erdgasantrieb oder Ethanol (E-85). Die Elektro-Neuwagen lassen sich an einer Hand abzählen.

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Der Toyota Prius und der Honda Insight schaffen es in der aktuellen Liste der meistverkauften Modelle gerade mal auf Platz 69 und 74. Verkaufsschlager ist und bleibt in der Schweiz der VW Golf, gefolgt vom Skoda Octavia und dem Audi A3.

Trotzdem haben auch die Autofahrer die Imagekampagnen der Konzerne etwas verinnerlicht. Sie setzen sich mit der Öko-Frage auseinander – zumindest behaupten sie das. So erklärten in einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Auto-Importeure zwei Drittel der Befragten, dass sie beim Autokauf alternative Antriebssysteme prüfen würden. Nur: In Verkaufszahlen niedergeschlagen hat sich das bisher nicht.

Kriterium 1: Platz; Kriterium 2: Preis

Beim Autokauf entscheiden Kunden nach wie vor nach traditionellen Kriterien. «Wichtigster Punkt sind die Platzbedürfnisse, dann folgt der Preis», sagt Andreas Burgener, Direktor von Auto-Schweiz. Sparsame Autos seien in der Regel Kleinwagen – und die kämen aus Platzgründen für viele gar nicht in Frage. Anderen sind Mittelklassefahrzeuge mit einem alternativen Antrieb schlicht zu teuer. Der Toyota Prius beispielsweise kostet rund 40000 Franken, der Honda Insight knapp 30'000 Franken. Ein Fiat 500 in der Elektro-Ausführung kostet gar rund 50'000 Franken.

Trotzdem: Warum verkauft sich das Umweltargument bei Autos so schlecht, während «bio», «naturnah» und «umweltgerecht» in anderen Bereichen Verkaufsargumente geworden sind? «Die Motoren haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht», sagt Burgener. «Jeder Autoproduzent verfügt heute über ein Effizienzprogramm, also eine Art Bio-Linie. Doch diese Fahrzeuge basieren nicht unbedingt auf einem alternativen Antrieb.»

Tatsächlich verwenden zahlreiche Hersteller Hightech-Sparfunktionen wie die automatische Abschaltung des Motors im Stillstand oder die Nutzung der Bremsen zum Aufladen der Batterie (Rekuperation). Durch solche verbrauchssenkenden Funktionen sind auch bei herkömmlichen Antrieben erhebliche Einsparungen möglich.

Natürlich nutzen die Autobauer wiederum jede technische Neuerung zur Eigenwerbung. Findige PR-Abteilungen nennen die Automodelle dank solchen Funktionen dann kurzerhand «Micro-Hybrid». Autos mit einer solchen Bezeichnung haben allerdings denkbar wenig mit einem tatsächlichen Hybridfahrzeug zu tun.

Auch Gas und Ethanol haben Nachteile

Erdgas- oder Ethanol-Autos haben es in der Schweiz erst recht schwer. Im Unterschied etwa zu Schweden, den USA oder Brasilien gibt es hierzulande nur wenige Tankstellen für alternative Treibstoffe. Zum anderen warnen Fachleute vor übertriebenen Erwartungen. Denn Erdgas ist wie Benzin und Diesel ein fossiler Brennstoff und dürfte langfristig kaum eine Alternative bieten. Bioethanol anderseits wird aus Pflanzen mit hohem Zuckergehalt gewonnen. Auch das ist nicht unproblematisch. Nahrungsmittel verteuern sich, was in Schwellenländern zum Überlebensproblem wird. Das zeigte sich 2007 in der Tortilla-Krise in Mexiko: Der Preis für Maismehl vervierfachte sich, viele konnten sich das Grundnahrungsmittel Tortilla kaum mehr leisten.

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Quelle: Toyota AG

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