Antwort von Koni Rohner, Psychotherapeut FSP:

Eine Trennung bedeutet für Betroffene eine Art Schock. Oft wird in der ersten Phase gegen die Trennung revoltiert. Man will sie nicht wahrhaben und hofft insgeheim, dass die Partnerschaft wieder aufblühen werde.

Wenn deutlich wird, dass die Trennung definitiv ist, bricht ein Gefühlschaos aus –mit Verzweiflung, Angst, Wut, Zorn, Schuldgefühlen, Unverständnis und tiefer Trauer. Oft entsteht das Gefühl, es allein nicht schaffen zu können, wertlos zu sein und versagt zu haben. Fragen wie «Wer trägt Schuld?» und «Was hätte man anders machen sollen?» sind zentral. Diese zweite Phase ist schwer auszuhalten.

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In der dritten Phase schliesslich wird die Trennung akzeptiert. Der Blick beginnt sich von der Vergangenheit weg hin in die Zukunft zu richten. Neue Pläne werden geschmiedet und auch umgesetzt. Die inneren emotionalen und gedanklichen Verstrickungen können sich lösen. Damit ist ein Neuanfang möglich.

Die Verarbeitung einer Trennung hat also viel mit Trauern und Loslassen zu tun. Und beides braucht Zeit.

Wie kann Loslassen gelingen?

Loslassen, das klingt so einfach. Und ist so schwer. Unterschiedliche Gefühle können uns hindern, etwas loszulassen. Etwa Ängste, das Leben nicht allein meistern zu können. Oder Wut, weil einem Ungerechtigkeit angetan wurde. Oder Trauer, dass man «zu wenig wert» ist, dass ein Partner bei einem bleibt.

Loslassen heisst akzeptieren. Annehmen, dass uns etwas widerfahren ist, was nicht unseren Wünschen entspricht. Dieser Prozess ist schmerzhaft. Doch er hilft, sich zu befreien.

In etwas Vergangenem zu verharren heisst dagegen oft, sich hilflos und machtlos zu fühlen. Denselben Schmerz immer wieder zu fühlen. Dieselbe Enttäuschung immer wieder zu erleben. Nicht loslassen zu können bedeutet deshalb, in einer Situation auszuharren, die uns seelisch und häufig auch gesundheitlich schadet und uns daran hindert, unsere Fähigkeiten auszuschöpfen.

Was lässt sich tun, um das Loslassen erträglich zu machen?

Überlegen Sie sich: Warum kann ich nicht loslassen? Was verliere ich, wenn ich die Beziehung als beendet akzeptiere? Was kann ich gewinnen, wenn ich die Trennung annehme?

Wenn die Trennung definitiv ist, versuchen Sie, sie als Tatsache anzunehmen. Ihr Partner hat sich entschieden zu gehen. Auch wenn Sie die Gründe nicht nachvollziehen können und diese als unfair beurteilen: Versuchen Sie, in den Situationen, in denen der Schmerz auftaucht, die Einstellung einzunehmen: Ich bin bereit, meine Vergangenheit zu akzeptieren. Es gefällt mir nicht, aber es ist geschehen.

Verleugnen Sie gemeinsame Erinnerungen nicht. Auch wenn es schmerzt: Die vergangene Beziehung mit all ihren Aspekten, positiven und auch schmerzhaften, ist ein Teil Ihres Lebens. Werten Sie Ihren Expartner nicht ab, denn damit werten Sie sich selber ab. Sie haben sich einmal für diesen Menschen entschieden. Es gab Gründe, warum Sie einander gewählt haben, und das ist gut so.

Besser gleich eine neue Beziehung?

Wie lange ein Trauer- und Ablöseprozess dauert, ist von Mensch zu Mensch und je nach Umständen der Trennung verschieden. Es kann gut zwei bis vier Jahre dauern, bis die Partner sich mehr oder weniger wohlwollend und neutral, ohne Stechen im Herzen, begegnen können, das Leben mit Freude neu angegangen und eine neue Beziehung offen eingegangen werden kann.

Lassen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen. Eine neue Beziehung bringt zwar Ablenkung und kann den Selbstwert stärken. Es besteht aber die Gefahr, dass durch die Verletzungen die neue Beziehung nicht richtig entstehen kann. Sie werden merken, wann sich Ihr Blick wieder nach vorn richtet und andere Menschen Sie wieder interessieren.

Buchtipp

Doris Wolf: «Wenn der Partner geht. Wege zur Bewältigung von Trennung und Scheidung»; PAL-Verlag, 2013, 184 Seiten, CHF 23.90