Gärtnern hat nichts Spiessiges mehr. Ähnlich wie das Kochen ist es Teil des gehobenen Lifestyles geworden. Sogar Schrebergärten sind wieder gefragt, vor allem bei jungen städtischen Familien, die ihren Sprösslingen ein Stück unverfälschte Natur bieten wollen.

Doch so heil ist diese Welt gar nicht. Die Böden im Schweizer Siedlungsgebiet sind oft mit Schadstoffen belastet: mit Schwermetallen wie Blei, Kupfer, Zink und Kadmium sowie organischen Schadstoffen wie den sogenannten Polizyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). 

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Schädliche Altlasten im Garten

Besonders hoch sind die Belastungen entlang den Verkehrswegen, auf alten Deponien oder in Gebieten, wo früher in grösseren Mengen Klärschlamm, Kehrichtschlacke oder Asche ausgebracht wurde. Von diesen Belastungen sind teilweise auch Nutzgärten betroffen. Eine gesamtschweizerische Studie über Haus- und Familiengärten liegt nicht vor. Verschiedene Kantone haben jedoch Gartenböden systematisch untersucht und setzen die Vorgaben um, die das Bafu 2005 im Handbuch «Gefährdungsabschätzung und Massnahmen bei schadstoffbelasteten Böden» zusammengefasst hat.

Falsches Düngen ist pures Gift

Die Belastung durch Schwermetalle ist das eine, die Überdüngung und der Einsatz von Spritzmitteln das andere. Bioterra, die grösste Schweizer Organisation für biologischen Gartenbau, schätzt, dass vier von fünf Gärten überdüngt sind. Hobbygärtner setzen deutlich mehr Spezialdünger ein als Profis – und oft auch die falschen Pflanzenschutzmittel.

Offenbar ist der Einsatz von Dünger auch eine Generationenfrage. Viele ältere Hobbygärtner verstehen nicht, dass jetzt schlecht sein soll, was früher gängige Praxis war.

Ein erster Schritt zum giftfreien Garten ist der Verzicht auf phosphorhaltigen Dünger. Auch von chemischen Mitteln sollte man die Finger lassen, da sie für die Pflanzen wie Fast Food sind: Diese werden träge und bilden kaum noch Wurzeln.

Alternativen sind natürliche Düngemittel wie Hornspäne oder Urgesteinsmehl, mit der nötigen Zurückhaltung eingesetzt. Auch hier gilt die Devise «Weniger ist mehr»: Komposterde ist ein hochkonzentriertes Material, das man gezielt ausbringen sollte. Zudem enthält das Ausgangsmaterial des Komposts oft ebenfalls Schadstoffe, die sich nicht abbauen lassen.

Die Qualität des Komposts lässt sich mit dem «Kressetest» prüfen: Man füllt ein Glas zur Hälfte mit Kompost, ein zweites mit Gartenerde, sät in beiden Kressesamen aus und verschliesst sie mit dem Schraubdeckel. Entwickeln sich die Keimlinge in beiden Gläsern einwandfrei, enthält die Komposterde keine giftigen Stoffe.

Wer einem ausgelaugten Gartenboden eine sanfte Kur angedeihen lassen will, versucht es am besten mit Gründüngung: Statt den Boden brachliegen zu lassen, bepflanzt man ihn mit Grünzeug, das dem Boden Nährstoffe zuführt (Senf, Spinat, Ackerbohne).

Auch regelmässiges Lockern bringt Luft und Leben in den Boden. Im Frühling ist eine Tiefenlockerung mit der Grabgabel angebracht. Während der Pflanzzeit reicht eine oberflächliche Bearbeitung, etwa mit einer Gartenkralle, um eine feinkrümelige Struktur zu erreichen. Denn wenn man sich vor Augen führt, wie komplex der Boden aufgebaut ist und wie viele Kleinstlebewesen sich auf jedem Zentimeter tummeln – auf eine Handvoll Erde kommen mehr Organismen als Menschen auf unserem Planeten –, spricht vieles dafür, dieses Gleichgewicht nicht unnötig zu stören.

Bio braucht einen langen Atem

Wer punkto Gartenerde auf Nummer sicher gehen will, lässt alle paar Jahre eine Bodenanalyse durch ein Fachlabor durchführen und die Bodenart, den Gehalt an Hauptnährstoffen und den pH-Wert bestimmen. Letzterer spielt insofern eine Rolle, als Gemüse in Böden mit tiefem pH-Wert nur noch schlecht gedeiht und Schwermetalle in sauren Böden von den Pflanzen eher aufgenommen werden.

Angehende Biogärtner sollten sich zudem über eines im Klaren sein: Die Umstellung braucht Zeit. Mit Hauruck-Aktionen bewirkt man im Garten gar nichts. Daraus ergeben sich nur weitere Probleme. Doch mit Geduld und einem langen Atem wird aus dem grünen Flecken auch ein gesunder Fleck Erde. 

Giftfrei gärtnern: Tipps, Ratgeberliteratur und Adressen

  • Düngen Sie so wenig wie möglich mit phosphorarmen, natürlichen Düngemitteln (kein Hühnermist) und Kompost.
  • Klärschlamm und Asche gehören nicht in den Garten (Schwermetalle!).
  • Boden nicht brachliegen lassen. Gründüngung ansäen, Boden abdecken.
    Pflanzenschutz, Schädlingsbekämpfung mit natürlichen Mitteln (Pflanzenbrühen, Urgesteinsmehl) sowie mit Mischkulturen. Chemische Präparate belasten die Umwelt.
  • Unkrautvertilgungsmittel (Herbizide) belasten den Boden und können ins Grundwasser gelangen. Gegen Unkraut hilft Jäten.
  • Schneckenzäune, Biokörner verwenden.
  • Bodenübersäuerung verhindern. In Böden mit einem pH-Wert unter 5,9 nehmen Pflanzen Schwermetalle leichter auf.
  • Pflanzen anbauen, die wenig Schadstoffe akkumulieren: Kürbis, Tomaten, Peperoni, Bohnen, Erbsen, Gurken, Zucchetti, Mais statt Salat, Blattgemüse, Sellerie, Lauch, Karotten.

  • Bodenschutz, biologisches Gärtnern, Kompost, Gärtnereien:
    www.naturnah.ch, www.biogarten.ch, www.kompost.ch, www.bioterra.ch