Es gab eine Zeit, da wusste ich die Telefonendziffern meiner Freundinnen auswendig: 5403, 5375, 6769. Um Geheimnisse auszutauschen, brauchte man ein Kabel, das mindestens bis zum WC reichte. Telefonnummern mit vielen Nullen waren nervig – weil es ewig dauerte, bis die Wählscheibe wieder in der Ausgangsposition war.

Kaum setze ich meinen Fuss ins Telefonmuseum Telephonica in Islikon, schwirrt mir der Kopf voller Erinnerungen. Eigentlich bräuchte es beim Eingang ein Warnschild: «Vorsicht, Nostalgiegefahr!» Ich erschrecke: So lange ist das alles doch gar nicht her.

Partnerinhalte
 
 
 
 

Kinder und Jugendliche, die das Museum besuchen, belegen das Gegenteil. Mit einer Wählscheibe wissen sie nichts anzufangen. «Die meisten tippen auf die Ziffern, wenn man sie bittet, eine Nummer zu wählen», schmunzelt der 84-jährige Fredy Neff. Der ehemalige Swisscom-Direktor Winterthur engagiert sich seit 30 Jahren für das von einer Stiftung getragene Museum und führt Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung. Junge sind ihm am liebsten: «Es ist schön, zu sehen, wenn sie auf einmal verstehen, dass so ein Telefon gar nicht so kompliziert ist», sagt er.

Das Telephonica ist ein Museum zum Anfassen, die meisten Ausstellungsstücke darf man benutzen. Tafeln mit langen Texten gibt es nicht, dafür Technik zum Erleben.

Zum Beispiel eine alte Vermittlungszentrale, mit der die Gesprächspartner von Hand verbunden werden. «Stöpseln» nannte man das. Tausende Telefonistinnen stöpselten Tag und Nacht, wann immer zwei miteinander telefonieren wollten. Diese «Telefonfräuleins» waren schlecht bezahlt und meist ledig – nach der Hochzeit ziemte es sich nicht, ausser Haus zu arbeiten.

Ab den 1920er-Jahren kamen die ersten automatischen Zentralen auf. Dies bedeutete das Ende der Telefonfräuleins. Heute gibt es sie nur noch als Besucherinnen des Telefonmuseums – Einträge im Gästebuch zeugen davon.

Telegraf und Autotelefon

Das Museum in Islikon geht auf den Nachlass eines privaten Sammlers zurück. Seine Nachkommen suchten Fachleute, die mit all den alten Apparaten ein Museum gestalten wollten. Fredy Neff war einer von ihnen. Die Crew besteht aus zehn Personen, die ehrenamtlich durch die Ausstellung führen und diese laufend ergänzen. «Die rasante technische Entwicklung spült immer wieder neue Objekte herein», sagt Neff. Doch der Platz ist beschränkt. Für Handys hat man eine originelle Lösung gefunden: Sie sind unter Glas in den Boden eingelassen – man steigt über sie hinweg. «Wir wollen Technikgeschichte erlebbar machen», sagt Neff.

Bunte Telefonwelt: Verspielte Festnetzgeräte im Museum in Islikon

Bunte Welt: Verspielte Festnetzgeräte im Museum Telephonica in Islikon

Quelle: Annick Ramp

Und so steht am Anfang die Buschtrommel, am Ende das Smartphone – und dazwischen alles, was die Geschichte der Telefonie hergibt. Morsegeräte, Telegrafen, Fernschreiber, Münztelefone, Notrufsäulen, das erste Autotelefon oder einer der ersten vollautomatischen Telefonbeantworter, der 164 Kilogramm wiegt.

Doch warum all diese Geräte horten? Fredy Neff sagt: «Sie erzählen etwas über die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit, in der sie gebraucht wurden.» Zum Beispiel die Stellung der Frau zur Zeit der Telefonfräuleins. Wer weiss, vielleicht erscheinen auch Callcenter-Mitarbeitende bald nur noch im Gästebuch des Telefonmuseums? 

Museum Telephonica in Islikon TG

  • Adresse: Hauptstrasse 15, Islikon TG
  • Öffnungszeiten: sonntags 14–17 Uhr; im Juli und August sowie an Feiertagen geschlossen
  • Eintritt: 8.– (Kinder 4.–)
  • Führungen: 180.– pro Gruppe bis 16 Personen, telefonisch buchbar unter 052 375 27 27
  • www.telephonica.ch

Hoosesagg-Museum in Basel

Streng genommen ist es gar kein Museum, das Hoosesagg-Museum in Basel. Hineingehen kann man jedenfalls nicht. Dafür ist es immer offen und kostet nicht einen Franken Eintritt. Und es gibt immer etwas zu sehen. Etwas Kleines. Denn es muss, wie der Name sagt, in einen Hosensack passen – damit es im kleinen Türfenster Platz hat. Durch dieses warfen Passanten früher heimliche Blicke in eine private Wohnung. Bis es den Bewohnern zu blöd wurde. Und sie aus dem Guckloch ein Mini-Schaufenster machten. Seither inszenieren sie dort liebevoll Kleinstausstellungen. Zu sehen sind Dinge, die sie gesammelt haben oder die andere Sammler ihnen ausleihen. Das können etwa Dösli, Wichteli oder winzige Laternli sein.

  • Adresse: Imbergässlein 31, Basel
  • Öffnungszeiten: immer
  • Eintritt: frei
  • Führungen: keine
  • www.hoosesaggmuseum.ch

Flippermuseum Extraball in Solothurn

Früher gab es in jeder Dorfbeiz einen Flipperkasten. Inzwischen sind die bunten Spielgeräte fast nur noch in privaten Kellern zu finden. Oder im Flippermuseum in Solothurn. Wer Lust hat, wieder mal die Kugeln spicken zu lassen und dem fröhlichen Gebimmel zu lauschen, wenn sie einen Bumper oder ein Target treffen, ist hier bestens aufgehoben. Es heisst zwar Museum, tatsächlich ist es aber ein Ort, wo man die Vergangenheit beim Spielen wieder aufleben lässt. Gegen den kleinen Hunger gibt es Tapas an der Bar.

  • Adresse: Obachstrasse 34, Solothurn
  • Öffnungszeiten: einmal pro Monat ab 19 Uhr, genaue Daten online
  • Eintritt: frei
  • Führungen: keine
  • www.extra-ball.ch

Zündholz-Museum in Schönenwerd SO

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie Zündhölzli zu ihren bunten Köpfen kommen oder wieso sie immer im dümmsten Moment abbrechen? Antworten darauf gibt es am ehesten in Schönenwerd, im einzigen Zündholzmuseum der Schweiz. Es belegt eindrücklich, dass der unscheinbare Alltagsgegenstand eine ganze Industrie hervorgebracht und künstlerischen Ehrgeiz geweckt hat. Davon zeugen die vielen kunstvollen Zündholzschachteln, die häufig Werbeträger waren und einen Einblick in die Schweizer Wirtschaftsgeschichte geben. Wer als Kind mit zwei linken Händen versucht hat, ein Häuschen aus Zündhölzern zu basteln, wird mit offenem Mund vor dem Zündhölzli-Eiffelturm stehen.

  • Adresse: Oltnerstrasse 80, Schönenwerd SO
  • Öffnungszeiten: Jeden 1. und 3. Sonntag im Monat, 10–17 Uhr
  • Eintritt: frei
  • Führungen: auf Anfrage per E-Mail
  • www.zuendholzmuseum.ch

Volkswrecks-Museum in Saint-Sulpice NE

Wer einmal in einem VW Käfer durch die Gegend gekurvt ist, wird das Knattern des Boxermotors und das Gefühl, die Hand aus dem Kippfenster baumeln zu lassen, nie vergessen. Zumindest Letzteres kann man in Saint-Sulpice im Val-de-Travers nochmals erleben. Rund 150 VW Käfer und andere Oldtimer stehen dort im Volkswrecks-Museum. Auf der untersten von drei Etagen sind die unrestaurierten Autos: Kleine und grosse Kinder dürfen sich hinters Steuer setzen, hupen und einfach Spass haben. Auf den anderen Etagen werden Oldtimer in speziellen Umgebungen präsentiert: Vom berühmten VW Käfer «Herbie» bis zum Hippiebus ist alles dabei. Eine bunte, wilde Ausstellung – die perfekt zum VW-Käfer-Lebensgefühl passt.

  • Adresse: Rue des Fosseaux 9, Saint-Sulpice NE
  • Öffnungszeiten: Samstag/Sonntag, 10–17 Uhr (April–Oktober)
  • Eintritt: 15.– (Kinder 5.–)
  • Führungen: keine
  • www.musee-vw.ch

Henkermuseum in Sissach BL

Handschellen sind noch die harmlosesten Gegenstände, die einen im Henkermuseum in Sissach erwarten. Rund 400 alte Gerätschaften des Strafvollzugs von der Guillotine über den Folterstuhl bis zur Daumenschraube gibt es hier zu sehen. Der Fantasie, wie man Geständnisse erpressen und Übeltäter möglichst grausam bestrafen könnte, waren in der Geschichte der Menschheit offensichtlich kaum Grenzen gesetzt. Einblick gibt es auch in das Leben der Henker. Sie hatten nichts zu lachen, mit ihnen wollte niemand etwas zu tun haben. Wer Geschichte mit einer Prise Grauen und Grusel mag, ist hier genau richtig.

  • Adresse: Kirchgasse 2, Sissach BL
  • Öffnungszeiten: Jeden 1. und 3. Sonntag im Monat, 14–17 Uhr
  • Eintritt: 10.– (Kinder 5.–)
  • Führungen: 70.– plus Eintritt
  • www.henkermuseum.ch