Liebe Leserinnen und Leser

Willkommen zu «Das war richtig wichtig». Hier ordnen wir immer freitags die wichtigsten Nachrichten der vergangenen Woche für Sie ein.

Die Themen:

Partnerinhalte
 
 
 
 

Sie können diese Nachrichtenübersicht auch als E-Mail abonnieren. Damit haben Sie «Das war richtig wichtig» immer pünktlich im Postfach. 

Melden Sie sich doch gleich an:

Migros-Kahlschlag: Die Entlassungen gehen weiter – wie lang noch?

Darum gehts: Der orange Riese verkauft Micasa und schliesst alle Do-it-Baumärkte. Damit verlieren weitere 600 Angestellte ihre Stelle, nachdem die Schliessung und der Verkauf von Fachmärkten wie Melectronics und SportX und der Abbau bei der Herstellung von Eigenmarken bereits zu Hunderten von Entlassungen geführt haben. 

Warum das wichtig ist: Lange Jahre war die Migros mit gruppenweit nahezu 100’000 Arbeitnehmenden der grösste Detailhändler der Schweiz. Doch wegen der Schrumpfkur dürfte Coop die Migros dieses Jahr überholen. Unter dem ehemaligen Denner-Chef will sich die Migros wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren und das Sortiment vergünstigen. 2023 erzielte die Migros den tiefsten Gewinn seit 40 Jahren. Doch die Probleme und die Baustellen sind nicht erst ein paar Jahre alt: Die Migros hat eine enorm komplizierte und oft ineffiziente Struktur – und mächtige regionale Genossenschaften verteidigen ihre Pfründe.

Das sagt der Beobachter: Branchenkenner gehen davon aus, dass der Umbau der Migros bald mal fertig ist. Und loben, dass die Migros endlich dringend nötige Einschnitte macht, um solide wirtschaften zu können. Für die vielen Menschen, die ihre Stelle verloren haben und noch verlieren werden, ist das ein schwacher Trost. Können sie bei anderen Grossisten unterkommen? Und wo sollen sie sonst wieder eine Stelle finden? Wir haben uns umgehört:

Über «Das war richtig wichtig»

Was hat die Schweiz diese Woche gerechter, transparenter, fortschrittlicher gemacht? Und wo gings eher rückwärts? Wo weiterlesen, wenn Sie es genauer wissen möchten? Wir liefern Ihnen immer freitagmittags drei bis vier wirklich wichtige Nachrichten – kompakt, verständlich und mit Haltung aufgeschrieben. Auch als E-Mail abonnierbar.

Misswirtschaft und Korruption: Armee steht vor einem Scherbenhaufen

Darum gehts: Die Schweizer Landesverteidigung ist eine gigantische Baustelle. Armee, Geheimdienst, Verteidigungsministerium und der staatseigene Rüstungskonzern Ruag wurden diese Woche allesamt enorm durchgeschüttelt. Die ersten beiden verlieren ihre Chefs, bei den anderen legt ein Bericht der Finanzkontrolle massives und jahrelanges Versagen offen

Warum das wichtig ist: Zuerst wurde am Montag publik, dass der Bund und die Ruag einen Kadermitarbeiter jahrelang gewähren liessen, der sich massiv am Rüstungsinventar bedient und bereichert haben soll. Dann wurde via Medien publik, dass der Geheimdienstchef und der Chef der Armee beide die Kündigung eingereicht hatten – noch bevor der Gesamtbundesrat informiert wurde. Und zur Krönung machte die Noch-Verteidigungsministerin vor den Medien ihrem Ärger über die angeblich überzogene Kritik und unkooperative Amtskollegen Luft. So ein katastrophales Bild gab der Bund schon lange nicht mehr ab. Der neue Verteidigungsminister wird sehr viel zerbrochenes Geschirr zusammenräumen müssen. Und das im Eiltempo: Dem Parlament geht langsam die Geduld aus.

Das sagt der Beobachter: Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wären die Vorgänge in der Ruag der grösste Korruptionsskandal seit Jahren. Wie kann so etwas passieren? Und was motiviert erfolgreiche und gut verdienende Menschen, sich zu bereichern? Das haben wir einen Experten für Wirtschaftskriminalität gefragt:

Illegaler Medikamentenimport: Vorstandsmitglied bringt Pharmasuisse in Verruf 

Darum gehts: Der Zürcher Apotheker Lorenz Schmid hat jahrelang illegal Potenzmittel und weitere Medikamente importiert. Nun wurde er von Swissmedic gebüsst. Einen Tag, nachdem der Beobachter den Fall publik gemacht hat, ist Schmid zurück getreten.

Warum das wichtig ist: Illegale Arzneimittelimporte beschäftigen Swissmedic seit Jahren. Gerade Potenzmittel sind sehr beliebt, und jährlich werden am Zoll Hunderte von Sendungen abgefangen. Meistens sind die Empfänger Privatpersonen, die sich auf diesem Weg mit billigen Produkten aus dem Ausland eindecken wollen. Lorenz Schmid hingegen ist Präsident des Zürcher Apothekerverbands und sass bis zum Bekanntwerden dieses Falls im Vorstand des Branchenverbands Pharmasuisse. Dieser fordert unter anderem «faire Rahmenbedingungen für die Apotheken als wichtigste Abgabestelle von Heilmitteln». 

Das sagt der Beobachter: Der Branchenverband Pharmasuisse steht für die Seriosität des gesamten Berufsstands. Wenn ein Vorstandsmitglied wissentlich illegal Medikamente importiert, schadet das der ganzen Branche. Die Strafverfügung von Swissmedic zeigt auch, dass es kein einmaliger Ausrutscher war: Schmid war bereits 2016 zum ersten Mal darauf aufmerksam gemacht worden, dass der Import von gewissen Präparaten für seine Kundschaft nicht zulässig ist. Unsere Recherche:

Das Zitat der Woche

Diese Woche hat sich der Ausbruch der Pandemie zum fünften Mal gejährt. Auch wenn Corona weitgehend aus den Nachrichten verschwunden ist, dauern die Nachbeben an. Zwischen Freunden und Familien sind Gräben aufgegangen (ein lesenswertes Gespräch dazu hier). Und viele Unternehmen spüren die wirtschaftlichen Folgen immer noch.

«Die Banken hatten öffentlich erklärt, mit den Covid-19-Krediten keine Gewinne erzielen zu wollen. Die aktuellen Zinssätze zeigen jedoch ein anderes Bild.» – Gewerbeverbände in einem Brief an den Bundesrat

Zu Beginn der Pandemie legten Bund und Banken gemeinsam ein Hilfsprogramm zum Schutz der Wirtschaft auf. Unternehmen konnten schnell und unbürokratisch Darlehen zinslos oder zu sehr tiefen Zinsen aufnehmen. Unterdessen sind diese Zinsen aber stark nach oben geklettert, was gemäss Branchenverbänden viele KMU in Bedrängnis bringt. Sie fordern, die Zinsen für diese mehr oder minder unverschuldet aufgenommenen Kredite wieder zu senken – und verweisen auf die grossen Gewinne, die die Banken in letzter Zeit eingefahren haben. Bisher ohne Erfolg.

Geschrieben haben diesen Überblick diesmal Thomas Angeli und Oliver Fuchs.

Wir bleiben für Sie dran. Bis nächste Woche.