Das war diese Woche richtig wichtig
Wurde die Schweiz diese Woche gerechter, transparenter, fortschrittlicher? Und wo gings rückwärts? Der Überblick des Beobachters für die Woche vom 4. April 2025.
Liebe Leserinnen und Leser
Willkommen zu «Das war richtig wichtig». Hier ordnen wir immer freitags die wichtigsten Nachrichten der vergangenen Woche für Sie ein. Und es sind diesmal ziemlich viele. Wir haben Ihnen darum am Schluss des Briefings eine Handvoll weiterer Themen knapp zusammengefasst – und lassen dafür diesmal das Zitat der Woche weg.
Diesmal:
- Armut in der Schweiz: Besserung ist nicht in Sicht
- Trump zieht Zölle hoch: Was bedeutet das für die Schweiz?
- Kürzung der AHV: Die Zahl der Betroffenen nimmt zu
- Und das Zitat der Woche lässt die Kirche im Dorf
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Armut in der Schweiz: Besserung ist nicht in Sicht
Darum gehts: 8,1 Prozent der Schweizer Bevölkerung lebten im Jahr 2023 unter der offiziellen Armutsgrenze. Diese betrug im Berichtsjahr durchschnittlich 2315 Franken pro Monat für eine Einzelperson und 4051 Franken für zwei Erwachsene mit zwei Kindern. Damit waren rund 708’000 Personen von Einkommensarmut betroffen, wie das Bundesamt für Statistik zu Wochenbeginn mitteilte.
Warum das wichtig ist: Die ermittelte Armutsquote ist an sich schon hoch genug für ein wohlhabendes Land wie die Schweiz. Taucht man tiefer in die statistischen Daten ein, gibt es erst recht Grund zur Besorgnis. Denn die Zahl jener, die angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten kaum mehr finanziellen Handlungsspielraum haben, steigt schleichend an. Drei Zahlenbeispiele: 336’000 Personen hierzulande gelten als Working Poor; sie können trotz regelmässigem Erwerbseinkommen ihre Existenz nicht aus eigener Kraft sichern. Gegen 20 Prozent der Bevölkerung wären nicht fähig, eine unerwartete Ausgabe von 2500 Franken zu stemmen. Und fast jedes fünfte Kind wächst in einem armutsgefährdeten Umfeld auf – was oft in einen fatalen Teufelskreis mündet, wie der Beobachter berichtete.
Das sagt der Beobachter: Die Schweiz ist in vielem gut – aber griffige Armutsbekämpfung, das kann sie nicht. Zwar hat man sich nach einigem politischem Gezänk – schliesslich steht der Föderalismus auf dem Spiel – dazu durchgerungen, eine nationale Armutsstrategie zu erarbeiten. Aber Strategien dauern. Es braucht jetzt eine rasch wirksame Armutspolitik auf verschiedenen Ebenen, um Menschen mit geringem Budget zu entlasten. Stichworte: vorwärts mit dem beschlossenen Ausbau der Prämienverbilligungen, Förderung von günstigem Wohnraum. Und wenn dann später die Armutsstrategie Wirkung zeigt: à la bonne heure.
⇒ Jetzt lesen: Kinder im Teufelskreis der Armut
Darum gehts: Ab morgen Samstag erheben die USA einen Basiszoll von 10 Prozent auf alle ihre Importe. Das hat Präsident Trump am Mittwoch verkündet. Ausserdem gelten ab kommendem Mittwoch obendrauf länderspezifische Zölle. Die Schweiz ist mit 32 Prozent eins der am stärksten betroffenen Länder überhaupt. Das ist um den Faktor 1,5 höher als bei der EU. Der Bundesrat will aktuell keine Gegenmassnahmen ergreifen.
Warum das wichtig ist: Zieht Trump diese Zollpolitik tatsächlich durch, hat sein Land höhere Zollschranken als zu Zeiten der grossen Depression in den 1930ern. Was das heruntergebrochen auf eine Schweizer Bürgerin bedeutet, kann im Moment niemand seriös berechnen. Die Konjunkturforschungsstelle KOF hat aber letztes Jahr eine Variante durchgespielt, die ziemlich nah an dem ist, was Trump jetzt tut. Ihr Fazit: Es wird jeden Schweizer mindestens 200 Franken pro Jahr kosten. Für unsere Wirtschaft ist das alles ein extrem harter Schlag: Die USA sind noch vor Deutschland der wichtigste Exportmarkt der Schweiz. Kleiner Lichtblick im Moment: Pharmagüter – der wichtigste Schweizer Export in die USA – sollen von den Zöllen aktuell verschont bleiben.
Das sagt der Beobachter: «Wir haben gute Argumente», sagte die Seco-Direktorin im Vorfeld, um die Strafzölle abzuwenden. Aber wie empfänglich ist man in Washington dafür noch? Kleines Beispiel: Trump hat sogar unbewohnte Inseln in der Antarktis und US-Militärbasen im Indischen Ozean mit Zöllen belegt. Wie man zumindest privat noch rational handeln kann, erklären wir hier:
⇒ Jetzt lesen: Trump wirbelt die Börse auf – na und?
Über «Das war richtig wichtig»
Was hat die Schweiz diese Woche gerechter, transparenter, fortschrittlicher gemacht? Und wo gings eher rückwärts? Wo weiterlesen, wenn Sie es genauer wissen möchten? Wir liefern Ihnen immer freitagmittags drei bis vier wirklich wichtige Nachrichten – kompakt, verständlich und mit Haltung aufgeschrieben. Auch als E-Mail abonnierbar.
Kürzung der AHV: Die Zahl der Betroffenen nimmt zu
Darum gehts: Eine neue Auswertung der AHV-Statistik durch den Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) zeigt: Immer mehr Menschen haben Beitragslücken – mit teils massiven Folgen für ihre Rente. Innert 15 Jahren ist der Anteil der Pensionierten mit Beitragslücken von rund 11 auf fast 19 Prozent gestiegen.
Warum das wichtig ist: Die AHV ist das wichtigste System der Altersvorsorge in der Schweiz. Wer Beitragslücken hat, erhält eine tiefere Rente; oft gerade diejenigen, die es sich am wenigsten leisten können. «Eine Million der heute Erwerbstätigen dürfte nur eine Teilrente erhalten», schätzt SGB-Zentralsekretärin Gabriela Medici. Jedes fehlende AHV-Beitragsjahr lässt die Rente um 2,3 Prozent schrumpfen – das können bis zu 60 Franken weniger sein, jeden Monat und ein Leben lang. Für eine volle AHV-Rente sind 44 Beitragsjahre nötig. Wer dieses Kriterium nicht erfüllt, muss mit einer tieferen Rente auskommen.
Das sagt der Beobachter: Beitragslücken entstehen aus verschiedensten Gründen. Zum Beispiel, weil die Anmeldung während des Studiums oder bei einem längeren Auslandaufenthalt vergessen wurde. Ein Risiko besteht zudem, wenn jemand wegen eines Unfalls oder einer Krankheit längere Zeit ausfällt. Aber auch bei häufigem Arbeitgeberwechsel kann der Überblick verloren gehen. Schwarzarbeit kann ebenfalls zu Problemen führen. Deshalb ist es in den verschiedensten Lebenssituationen ratsam, einen AHV-Auszug zu bestellen, um Beitragslücken möglichst früh zu erkennen. Wie das geht, erklären wir hier:
⇒ Jetzt lesen: Warum Sie AHV-Lücken vermeiden sollten
Der US-Präsident dürfte sich mit seinen neuen Tarifen in der Schweiz nicht besonders beliebt machen. In den letzten Umfragen war er aber immer 10 Prozent beliebter als … die katholische Kirche. Während 25 Prozent Trump gut fanden, haben nur 15 Prozent eine positive Einschätzung von der Kirche. Das zeigt eine neue Umfrage, die Sotomo im Auftrag der katholischen Kirche des Kantons Zürich durchgeführt hat. Es sei wirklich nicht lustig, solche Ergebnisse präsentieren zu müssen, sagt deren Synodalratspräsident Raphael Meyer. Und übt sich in Zweckoptimismus:
«Eine wichtige Lehre der Kirche lautet: Die Hoffnung stirbt nie.» – Raphael Meyer
Immerhin: Die Befragten schätzen das Engagement der Kirche für Bedürftige – etwa arme Menschen oder einsame Seniorinnen. Da will man ansetzen. Die katholische Kirche des Kantons Zürich hat etwa vor kurzem mit einer Plakatkampagne auf ihre guten Taten hingewiesen.
Geschrieben haben diesen Überblick diesmal Daniel Benz, Oliver Fuchs und Valentin Grünig.
Bis nächste Woche. Wir bleiben für Sie dran.